Gestatten – Adventskalender der Farben (Teil 1)

BLAU

Gemeinsam mit meiner lieben Freundin und Goldschmiedin Jana Voll habe ich auf Facebook einen besonderen Adventskalender gestartet. Jede Woche ist dabei einer Farbe gewidmet. Wir erzählen Euch Hintergründe, Verwendung und Wirkung verschiedener Materialien aus kunsthistorischer und kunsthandwerklicher Sicht.

In der ersten Advents-Woche haben wir gleich mal BLAU gemacht. Die Farbe erinnert uns an den Sommerhimmel und das weite Meer. Nicht zufällig steht Blau für die Ewigkeit und das Göttliche. Krishnas blaue Haut zum Beispiel zeigt an, dass er göttlicher Herkunft ist. Menschen mit adeliger Herkunft sagte man einst nach, blaues Blut zu haben. – Was natürlich nie stimmte, aber als Synonym für eine aristokratische Abstammung hat sich die Bezeichnung gehalten. Als Normalsterbliche müssen wir erst ordentlich bechern, um blau zu werden. – Und am nächsten Tag folgt mit dem Kater der Blues. Vielleicht haben wir sogar einen Filmriss, dann müssen wir ins Blaue hinein raten, was wir in den vergessenen Stunden wohl angestellt haben…

TANSANIT

Der Tansanit hat ein einzigartiges kräftiges blau mit einem purpurfarbenem Hauch. Ist er genau der richtige Stein für diese Zeit? Er harmonisiert Gedanken und Wünsche und ist der Schutzstein der Schütze Geborenen. Dieser Ring ist aus Silber und der sagenhafte Edelstein ist in Weißgold gefasst.
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LAPISLAZULI | ULTRAMARIN

Johannes Vermeer; Die Briefleserin, c. 1663, Rijksmuseum Amsterdam

Sein Name ist wie Zungenbalsam: Lapislazuli. Über Jahrhunderte war das aus Lazurit-Gestein gewonnene Pigment bei Malern heiß begehrt – und wertvoller als Gold. Denn, das verrät sein Zweitname Ultramarin, es kam von „jenseits des Meeres“. Allein in Afghanistan gab es einen Ort, an dem das Gestein in ausreichender Qualität vorhanden war. Nur die besten Künstler durften es überhaupt kaufen. Und häufig wurde es dann auch nur für Darstellungen von Maria und Christus als den wichtigsten Figuren der damaligen Malerei verwendet. Den gekonntesten und eindrucksvollsten Einsatz von Lapislazuli zeigt für mich Leonardo da Vinci. Keine Fotografie, kein Bildschirm kann auch nur ansatzweise die Atmosphäre widergeben, die seine Gemälde so einzigartig macht. Es scheint, als träten seine Figuren aus den Bildern heraus, umhüllt von einem magischen blauen Nebel. Aber auch Jan Vermeer hat aus dem Stein das Beste herausgeholt.
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Historisch gehört der Lapislazuli gehört zu den ersten Edelsteinen die Menschen zu Schmuck verarbeiteten. In vielen Kulturen galt er als heiliger Stein mit magischen Eigenschaften. Am Nilufer gab es ganze Götzenbilder aus Lapis – die Ägypter glaubten die Götter würden den Edelstein bewohnen. Aus dem „Himmelstein“ fertigten sie Siegelringe, Rollsiegel, Figuren und Skarabäen.
Seine feinen goldenen Pyriteinschlüsse auf dem Tiefblau an das Funkeln des Sternenhimmels erinnern. In der Astrologie gilt er daher als Freundschaftsstein, der die Harmonie in Beziehungen und den Gemeinschaftssinn stärkt. Wenn man der Liebsten also gerne die Sterne vom Himmel holen würde, sind doch unsere wundervollen Lapis-Ohrringe das Richtige. Übrigens sind bei unseren meisten Ohrringen die Einhänger zum Auswechseln. Heute blau, morgen grün…
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KOBALDOXID

Vase mit Schmetterlingen, spätes 17. – frühes 18. Jh. Metropolitan Musuem of Art

Noch ein Blau, das von weit her importiert wurde und entsprechend teuer war: Kobaldoxid. Hätte man für das Färben von Keramik und Glas nicht einfach ein billigeres, lokales Mittel nehmen können? Tatsächlich: nein. Denn Kobaldoxid war lange Zeit das einzige Pigment, dem das Glasieren, also das Versiegeln der Oberfläche durch Auftragen und Brennen einer durchsichtigen Schicht, nichts ausmache. Also wurde es aus Persien und Südostasien nach Europa gebracht.

Kobaldoxid ist gering toxisch. Aus einem Glas oder Becher mit leuchtend blauem Rand würde ich nicht dauerhaft trinken. Aber es ist auch Teil vom wichtigen Vitamin B12. Jedoch in so geringer Dosis, das es uns nicht schaden kann.

Aquamarin-Collier „Himmel und Mee(h)r”

AQUAMARIN

Er trägt es schon im Namen: der Wasser-Meeres-Stein scheint die Farben des Ozeans eingefangen zu haben. Der Sage nach stammt er aus dem Schatzkästchen der Meerjungfrauen und ist Glücksstein der Seeleute.
Der Aquamarin stammt aus der Edelstein-Familie der Berylle. Im Mittelalter schliff man aus hellen Aquamarinen Gucklöcher in Reliquienschreine und Monstranzen. Dies führte dann auch dazu, dass bereits um 1300 Berylle als Augengläser geschliffen wurden. Unser Wort Brille leitet sich von Beryll ab.
Der Aqua galt als DER Stein für Mädchen und Frauen, er verheißt tiefe Liebe und Glück in der Ehe.
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INDIGO

Seite aus dem Blauen Qur’an, Tunesien, 2. Häfte 9. bis Mitte 10. Jh. Metropolitan Museum of Art

Indigo wird schon seit Jahrtausenden als Farbstoff für Textilien verwendet. Wie Lapislazuli und Kobaldoxid kam auch Indigo aus weiter Ferne, aber anders als bei ihnen importierte man es ab dem 17. Jahrhundert nach Europa, weil es tatsächlich günstiger war als der heimische Waid (, der ursprünglich ebenfalls aus Fernost eingeführt worden war). Beide Pflanzen haben die kuriose Eigenschaft, erst einmal gelben Farbstoff zu produzieren, der dann durch den Kontakt mit Sauerstoff blau wird.

So schön er Stoffe auch leuchten lässt, Indigo hatte lange auch eine unschöne Seite: Sein Anbau war eng mit dem Kolonialismus in Indien und der Sklaverei in den USA verknüpft. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Farbstoff chemisch hergestellt, sodass der Anbau unrentabel wurde. Dafür hat Färberwaid eine Renaissance erlebt und wird seit den 1990er Jahren in der einstigen Hochburg Erfurt wieder angebaut.

 

IN DER NÄCHSTEN WOCHE machen wir weiter! Mit der Farbe der Hoffnung und des Neids…

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