Gestatten – Der VERGNÜGUNGEN erster Teil

Ihr seid nicht bei Facebook und könnt deswegen meine täglichen Vergnügungen gar nicht lesen?
Kein Problem! Ich fasse sie für Euch hier wöchentlich zusammen.

VERGNÜGUNG NR. 1: EIN BAD NEHMEN

Edgar Degas: Badende, in die Wanne steigend, um 1890, Metropolitan Museum of Art (MET)

Wer keine hat, beneidet die, die eine haben. Wer eine hat, nutzt sie in der Regel selten. Ich habe eine, muss mich aber geradezu mit ihr verabreden, damit ich mich mal reinlege. Da ist die – im Vergleich zur Dusche – lange Zeit, die es braucht, damit man sich endlich unter warmem Wasser auftauen kann. Und wenn man dann drin liegt, zumindest geht es mir so, langweilt man sich. Da kann ich auch auf dem Sofa bleiben. Trotzdem würde ich meine Wanne nicht gegen eine reine Dusche tauschen. Manchmal nehme ich Wartezeit und Langeweile dann doch in Kauf für einen Moment des Abtauchens, Aufweichens, Nichtstuns.

.

Carl Blechen: Zwei Damen im Park, um 1830, Alte Pinakothek München

VERGNÜGUNG NR. 2: AUF DER PARKBANK SITZEN

Wir nutzen Parks, um uns hindurch zu bewegen, den Hund auszuführen, Spazieren zu gehen, einen schöneren Weg von A nach B zu wählen als an der Straße entlang. Wenn wir das das nächste Mal tun, setzen wir uns doch einfach mal auf eine der Bänke. Und bleiben dort sitzen. Und zwar lange. Mindestens eine halbe Stunde. Nein, nix zu Lesen mitnehmen! Auch nicht aufs Handy gucken. Einfach nur dasitzen und schauen, was drumherum so alles passiert. Und wahrscheinlich den beruhigenden Eindruck gewinnen, dass trotz allen aktuellen Stillstands und Angststarre die Natur ganz unbeeindruckt einfach so weitermacht mit dem Leben.

.

VERGNÜGUNG NR. 3: MELANCHOLIE

Albrecht Dürer: Melancholie, um 1514, MET

Melancholie ist in unserer Zeit mindestens genauso beliebt wie Traurigkeit, Depression und Burn-out. Alles, was uns vom Produktiv-, Aktiv- und Glücklichsein abhält, ist verpönt bis hin zum Tabu.

Dabei ist Melancholie ganz wunderbar. Ein kleiner Ausflug in das Reich bittersüßer Sehnsucht und
(unerfüllter) Träume. Ein Zustand, in dem man viel mehr bei sich selbst ist, als in den exaltiert überglücklichen
Momenten, die wir ständig kreieren sollen. Doch was wären wir ohne unsere Träume, unsere Sehnsüchte?
Entweder herzlos oder tot. Dann lieber ab und zu melancholisch.

Peter Paul Rubens: Der Künstler mit Frau und Sohn, um 1635, MET

…..

VERGNÜGUNG NR. 4: MIT KINDERN SPAZIEREN GEHEN

Wer mit Kindern spazieren geht, dem eröffnen sich ganz neue Dimensionen von Zeit. Das gilt vor allem für das Spazierengehen mit kleinen Kindern. Erst steht man eine gefühlte Ewigkeit an einem Löwenzahn herum, und würde nicht eine zarte Brise die Blätter in den Bäumen leicht bewegen, könnte man glauben, die Zeit stehe still, weil auch das Kind vollständig stillsteht, kurz mal abgetaucht ins Träumeland. Dann aber ist es mit seinen kurzen Beinen so schnell an einen Ort außerhalb der eigenen Armreichweite geraten, dass dies ohne das plötzliche Eintreten eines interstellaren Zeitsprung nicht erklärbar ist. Jahre später kann das Kind problemlos laufen, hat aber keine Lust mehr dazu. Hat man es überhaupt so weit geschafft, es auf die Straße zu kriegen, verfällt es in einen Zeitlupenmodus, der jede Schnecke ins Schwitzen bringt. Fazit: mit Kindern spazieren zu gehen, ist immer spannend.

.

VERGNÜGUNG NR. 5: SINGEN

Jan Havicksz. Steen: Die fröhliche Familie, 1668, Rijksmuseum Amsterdam

„Aber ich kann nicht singen!“ Doch! Ok, vielleicht nicht schön. Oder melodisch korrekt. Oder im Rhythmus. Aber ist doch egal! Wir werden den ganzen Tag von so vielen unschönen Geräuschen beschallt – Autolärm, der Thermomix in Action, das Brummen des Handys, weil wieder jemand eine ungeheuer wichtige WhatsApp-Nachricht geschickt hat – da macht der ein oder andere schiefe Ton nichts schlimmer. Außerdem: Wer mit Leidenschaft singt, singt immer schön. Das hat Florence Foster Jenkins eindrucksvoll bewiesen. Also: tief Luft holen und losschmettern!

.

VERGNÜGUNG NR. 6: AUS DEM FENSTER SCHAUEN

Jozef Israëls: Frau am Fenster, 1880 – 1911, MET

Es gibt zahllose Gemälde von Menschen, die aus dem Fenster schauen. Eine früher wohl übliche Tätigkeit, die irgendwann ausgestorben zu sein scheint und heute nur noch von älteren Menschen (mit Kissen auf dem Fensterbrett) oder bei spektakulärem Ausblick (das Meer, die Berge) betrieben wird. Die unendlichen visuellen Unterhaltungsmöglichkeiten, die wir im Inneren unserer Wohnstatt abrufen können, lassen den Blick auf das Außen unattraktiv erscheinen. Wir wissen mehr über das Leben am anderen Ende der Welt und über die Irrungen und Wirrungen in unserer Daily Soap als über das, was tagtäglich vor unserer eigenen Haustür direkt vor unserer Nase geschieht. Zeit, das zu ändern!

.

VERGNÜGUNG NR. 7: AUF BÄUME KLETTERN

Erasmus Quellinius II: Christus und Zacheus (Detail), 1660, Rijksmuseum Amsterdam

Wenn wir schon nicht wie sie fliegen können, so können wir uns doch auf der Zwischenebene zwischen Erdboden und Himmel wie die Vögel fühlen – auf Bäumen. Manche haben ihre Äste so angeordnet, dass sie sich als Klettergerüst geradezu aufdrängen. Andere sind eine Herausforderung, deren Überwindung eines glatten Stamms mit besonders hoher Aussicht belohnt wird. Wer auf einen Baum klettert, nimmt war, wie viele Lebewesen dort hausen. Jeder Baum ist eine eigene kleine Ansiedlung, ein Stadtquartier, eine Welt. Wunderbar ist es, wenn der Baum Blätter trägt, die einen vor Vorübergehenden tarnen. Und perfekt ist es, wenn man eine Stelle im Geäst findet, in der man sich hinlümmeln, loslassen
und es genießen kann, ganz von Himmel umgeben zu sein.

.

Nächste Woche geht es weiter! Bleibt vergnügt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.