Gestatten – Die 4. Kerze…

GELB & GOLD

Mit Gelb und Gold beenden wir, meine Freundin und Goldschmiedin Jana Voll und ich, unseren Adventskalender der Farben! Wir hoffen, wir haben Euch den Winter damit ein wenig bunter gemacht. [Anm.: Da sich Gelb auf Grau nur sehr schlecht lesen lässt, ist die Farbe der Überschrift hier abweichend orange.)

Im Gegensatz zu anderen Farben ist Gelb in Sprichwörtern und Redewendungen kaum verankert. Uns zumindest ist kaum ein Beispiel eingefallen, in dem es vorkommt. Vielleicht liegt es daran, dass Gelb in seiner Bedeutung so unentschieden ist. Die Ampel verdeutlicht das am besten: Ihr gelbes Licht bremst uns entweder aus oder gibt den Weg gleich wieder frei. Bei Gelb denken wir an die wärmende Sonne und den frischen Duft der Zitrone, an Winterlinge und Narzissen, die den Winter aus- und das Frühjahr einläuten. Und es ist am nächsten dran am wertvollen Gold. Doch ist die „Yellow Press“ wiederum genau das Gegenteil von wertvoll, hier wird billigster Klatsch und Tratsch verbreitet. Im Mittelalter war Gelb die Farbe der gesellschaftlich Ausgestoßenen: Prostituierte, Verschuldete und Frauen mit unehelichen Kindern hatten gelbe Kleidungsstücke zu tragen. Nicht selten sind auch in der Malerei die „schlechten Menschen“ an ihrer gelben Gewandung zu erkennen.

Rembrandt van Rijn: Nachtwache, 1642, Rijksmuseum

BLEIZINNGELB

Wenn auch die Natur uns mit gelbem Sonnenlicht bestrahlt und zahlreiche Blumen, Gemüse- und Obstsorten in der Farbe hervorbringt: Gelbes Pigment sucht man in ihr fast vergeblich. So betreten wir mit ihm die Welt der Chemie (wo ich in der Schule immer NULL aufgepasst habe). Unser heutiges Gelb wird erzeugt, indem Zinnoxid und (wer hier gut aufgepasst hat, wird es wiedererkennen) Mennige vermischt und miteinander erhitzt werden. Ich erspare Euch die weiteren Details.

Vermeer hat es gerne benutzt, und auch Rembrandt. Wusstet Ihr, dass seine berühmte „Nachtwache“ vermutlich garnicht in der Nacht spielt, sondern einfach in einer dunklen Gasse? Das hat man vor ein paar Jahren entdeckt, als das Bild umfassend restauriert und gereinigt wurde. Es war einfach so verdreckt, dass es noch viel dunkler aussah, als es an sich schon ist.
.
.

CITRIN

Die angenehm warmen Farben des Citrin lassen einem dieses graue und trübe Wetter vergessen! Sein Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Zitronenstein“. Schon römische Legionäre trugen ihn auf der Brust, um vor dem bösen Blick und Intrigen geschützt zu sein.

Bis ins hohe Mittelalter wurde er als Sonnenstein vereehrt und sollte seinem Träger ein ewiges Leben schenken.  Auch heute noch werden ihm hohe Heilkräfte zugeschrieben. Er soll das Immunsystem stärken und regenerierend auf die Leber wirken. Den Zwilling-Geborenen verleiht er Optimismus. Der goldgelbe Stein gilt auch als Glückstein für Löwen und Jungfrauen. Für Euch haben wir den perfekten Anhänger aus matt schimmerndem und rundherum graviertem Citrin mit einem roten Turmalin gekrönt: “Die Glücksamphore”.
.

Krishna hält den Berg Govardhan hoch, Folio aus einem Harivamsa (Die Legende von Hari (Krishna)), Indien, ca. 1590–95

INDISCHGELB

Wenn Gelb auch symbolisch kein gutes Image hat, müssen für seine Herstellung wenigstens keine Tiere sterben. Und auch nur ganz selten Pflanzen! Im Falle von Indischgelb (Euxamthinsäure) brauchte man angeblich nur eine lebendige Kuh bzw. ihren Urin. Der (im Übrigen indischen) Kuh gab man sehr wenig zu trinken, dafür umso mehr Mangoblätter zu essen. Durch Kondensation des nun gelben Urins blieb das Pigment übrig. Ich stelle mir ja vor, dass auch die Kühe irgendwann einen Gelbstich im Fell hatten…

Nachprüfen lässt sich das nicht mehr, denn tatsächlich ist man sich heute nicht sicher, ob es diese Herstellungsmethode wirklich gegeben hat. Oder ob es sich bei den sogenannten „Piuri“, den Farbklumpen, in deren Form man das Pigment verkaufte, nicht um Gallensteine der Tiere handelte. Wie auch immer es entstand: Als Farbstoff wurde Indischgelb sehr gerne und oft benutzt, vor allem in seinem Herkunftsland.
.
.

GOLD

Feingold hat seit Menschengedenken eine ganz besondere Wirkung auf uns. Als Goldschmiedin liebe ich (Jana) diese sattgelbe Farbe und leuchtende Energie, die hinter Gold steckt. „Weiches“ Feingold lässt sich mit dem richtigen Know-how übrigens sehr gut auch als Schmuck tragbar machen. 999/- Gold härten wir aus durch mehrfaches Schmieden und somit Verdichten. Es muss also nicht zwangsläufig eine Legierung mit Silber und Kupfer sein. Eheringe aus Feingold sind pure Liebe und reines Glück.

Gold spielte auch in der bildenden Kunst eine wahrhaft glanzvolle Rolle: Seit jeher stand und steht es für das Göttliche und die Ewigkeit. Gemälde, Skulpturen, Bücher, Kirchengerät und -plastiken wurden durch Gold zu Repräsentanten des Überirdischen. Und als gekrönte Häupter von Gottes Gnaden nutzen es die irdischen Mächtigen, um die Legitimität ihrer Herrschaft (und ihren Reichtum) zur Schau zu stellen. In der Kunst kommt und kam vor allem Blattgold zum Einsatz. Hier zeigt sich die besondere Eigenschaft von Gold: Seine Dehnbarket. Ein Gramm Gold kann so dünn geschlagen werden, dass es einen halben Quadratmeter Fläche bedeckt!
.
.

Lorenzo Monaco: Geburt Christi, 1406-10, MET

.
.
.

Mit dem warmen Glanz des Goldes
senden wir Euch die besten Grüße und Wünsche zu Weihnachten. Wir hoffen, unser Adventskalender der Farben hat Euch gefallen! Kommt gut raus, aus diesem verrückten Jahr!

  Jana und Esther

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.