Gestatten – Ein funkelnder Frauenmagnet

KARNEOL – der Monatsstein im SEPTEMBER

Eine Woche, ein Edelstein, ein Kunstwerk. Die monatliche Reihe zu Edelsteinen von meiner Freundin Jana Voll und mir auf Facebook gibt es nun auch hier nochmal. Zum Wochenanfang lassen wir es für Euch funkeln!

Jana schreibt

 

Für mich steht der Karneol für Heimat und sicheren Hafen… Vorkommen in Idar-Oberstein begründeten die Ansiedlung vieler Edelsteinschleifereien in der Region und deren Wohlstand. Da ich meine Ausbildung in Idar-Oberstein absolviert habe, hab ich ihn nicht zuletzt deshalb in meinem Gesellenstück verarbeitet.

Der Karneol ist ein Quarz, stammt also aus der Familie Bergkristall/Amethyst/Citrin und Co. Er ist aber nicht transparent wie seine Verwandten, sondern meist milchig/opak und schimmert immer in einem warmen Orange.

Aufgrund seiner leichten Bearbeitung wurde er schon im Altertum gerne verwendet und als Schmuck- und Energiestein geschätzt. Oft wurden auch Gemmen oder Siegelringe aus ihm geschnitzt, die meistens Glücksymbole, Schutzsymbole und Schutzgottheiten zeigten. Im alten Ägypten galt er als „Lebensstein“, denn man glaubte, der Karneol könne die Lebenskräfte erneuern und sei eine magische Rüstung für das Leben nach dem Tod. So trug zum Beispiel Ramses II. einen Siegelring aus Karneol.

Auch im Mittelalter trug man den Karneol als Schutz gegen Verzauberung. Hildegard von Bingen zählte Karneol zu den bedeutendsten Heilsteinen und beschrieb seine Wirkung gegen Kopfschmerzen, Blutungen, Husten und Erkältungskrankheiten. Sie nahm übrigens an, dass er seiner Farbe wegen nach der Kornelkirsche (lat.: cornum) benannt wurde. Später war man davon überzeugt, Karneol könne die Anziehungskraft auf Frauen erhöhen, wenn er von Männern getragen wird.

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Ich schreibe

Die angebliche Eigenschaft des Karneols, die Anziehungskraft von Männern auf das weibliche Geschlecht zu erhöhen, gibt mir endlich Gelegenheit, über ein Phänomen zu sprechen, über das ich immer schon mal reden wollte. Ich gebe zu, es hat an sich nichts mit dem Karneol zu tun und ist vielleicht etwas gehässig, aber sei´s drum.

Haare – viel mehr ihre Formgebung – waren in der Bezirzung des anderen (oder des begehrten) Geschlechts immer schon von großer Bedeutung. Kräftiges, glänzendes Haar ist bis heute ein Zeichen von (sexueller) Vitalität, Gesundheit und Schönheit. Das galt und gilt vor allem für Frauen, aber das

Porträt eines jungen Mannes von Jacometto, 1480er, Metropolitan Museum of Art,

beweist, dass auch Männer immer schon bestrebt waren, ihr Haupt mit dem Dernier Cri der Haargestaltung zu schmücken. Die hier gezeigte, für die venezianischen 1480er und -90er Jahre typische „Zazzera“ wirkt auf mich wie eine zwar elegantere, aber nicht weniger amüsante Mischung aus Vokuhila und Beatles-Pilzkopf.

Das Schöne an den Zeitzeugen aus der Kunst ist, dass man sich den ein oder anderen selbst mitgemachten Trend (festgehalten auf Fotografien, die einen heute peinlich berühren), ebenso selbst ganz gut verzeihen kann. Wir sind nun mal alle Kinder unserer Zeit. Und wer weiß – vielleicht wird auch die Zazzera irgendwann einmal wieder in. Und die Herren der venezianischen Renaissance zu frühen Trend-Settern.

Und nächste Woche: Der Opal.
Und hier der Beitrag von letzer Woche: Der Peridoth.

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