Gestatten – Heute perlt es!

Die PERLE – der „Monatsstein“ im JUNI

Eine Woche, ein Edelstein, ein Kunstwerk. Die monatliche Reihe zu Edelsteinen von meiner Freundin Jana Voll und mir auf Facebook gibt es nun auch hier nochmal. Zum Wochenanfang lassen wir es für Euch funkeln! [Und: Ja, den Mai haben wir auch vergessen…]

Jana schreibt

Ach ja Perlen… Was soll ich Euch sagen: Wir lieben sie! Natürlich sind sie kein Edelstein in eigentlichen Sinne, aber gemmologisch betrachtet gehören sie dennoch zur Edelsteinfamilie, da sie so wunderVolle Geschenke der Natur sind. Ich könnte jetzt einen Roman schreiben, was es alles für Geschichten und Anekdoten und Erzählenswertes zu diesen zarten Preziosen gibt.

Es gibt da draußen immer noch ein paar Stimmen die sagen: Perlen mag ich nicht, die sind doch so altbacken, und meine Oma sagte immer: Verschenke niemals Perlen das bringt Tränen. Unsinn!! Das kam daher, dass früher am Hofe in Trauerzeiten verpönt war, glitzernden Edelstein-Schmuck zu tragen. Also legten sich zu diesen Gelegenheiten die besseren Damen eben lieber ihre dezent schimmernden Perlen um. Die Tränen waren also schon vorher da, und himmlischen Perlen trösteten dann die Gemüter.

Ein schöner Fachbegriff, der unbedingt eingeht in das Lexikon der wichtigsten Vokabeln unnützen Wissens ist: der Lüster. Der bezeichnet den sozusagen lüsternen oder lustvollen, einzigartigen Glanzschimmer von Perlen. Dieser entsteht übrigens ganz natürlich schon innerhalb der Muschel. Kein Handwerker kann hier mehr etwas ausrichten. Natur pur!

Ich schreibe

Was läge für mich als Kunsthistorikerin näher, als beim Stichwort PERLE über Jan Vermeers berühmtes „Mädchen mit dem Perlohrgehänge“ zu schreiben. Doch: So viel ist darüber schon geschrieben und gefilmt worden. Und ich möchte nicht teilschuld daran sein, dass das schöne Porträt zu einem Massen-Merchandise-Artikel auf Tassen, Regenschirmen und Mousepads verkommt. Deshalb habe ich ein anderes Bild gewählt:

François Boucher: Die Toilette der Venus, 1751, Metropolitan Museum of Art, New York

Boucher war einer der größten Maler des französischen Rokoko. Ganz im Stil der Zeit fließt sein Bild geradezu über von Üppigkeit: Gold und Silber, PERLENketten – selbst die Natur im Hintergrund bauscht sich auf. Mittendrin die schöne Venus, die zwar von schwerem Brokat umrahmt, aber kaum von Stoff umhüllt wird. Drei Putti sind gerade dabei, ihr Haar mit PERLEN und Bändern zu schmücken. Was braucht die Göttin der Liebe und Schönheit auch mehr an „Bekleidung“?

Beide, Perle und Venus, stammen aus dem Meer. Und schimmert nicht auch die Haut der Göttin wie Perlmutt? Kein Wunder also, dass das Meeresjuwel ihr Attribut ist.

Darüber hinaus spielt der Perle, wenn auch indirekt, eine Rolle bei der Namensgebung des Stils, in dem Boucher malte. Rokoko leitet sich von „Rocaille“ ab, zu deutsch: Muschelwerk. Gemeint ist damit ein typisches Ornament aus jener Epoche. Als Rocaillen bezeichnet man aber auch Stickperlen. Bouchers Bild der Venus hat also auch indirekt etwas mit unserem Monatsstein zu tun.

Und nächste Woche: Der Rubin.
Hier der Beitrag von letzter Woche: Der Saphir.

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